Presseberichte

Auf dieser Seite findet ihr ausgewählte Artikel über Verbindungen.

 


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Aus "Das Parlament, Nr. 42 2006, 16.10.2006"

Jutta Witte

"Wir halten unsere Ideale für zeitlos"
Studentenverbindungen im 21. Jahrhundert

Sie tragen mitunter schwarze Schaftstiefel, Fahnen, Degen und bunte Schärpen. Sie feiern "Kommerse" und "Kneipen" und haben Funktionen inne wie Fuchsmajor, Charge, Alter Herr oder Hohe Dame. Bei den Studentenverbindungen, so scheint es den meisten Beobachtern, sind die Uhren in der Kaiserzeit stehen geblieben. Doch trotz Studentenunruhen, Wiedervereinigung und Globalisierung haben sie ihren Platz im deutschen Universitätsleben bis heute behauptet. "Wir stellen uns schon alle zehn Jahre die Frage: haben wir uns nicht überlebt?", sagt der Sekretär des Kartellverbands der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV), Richard Weiskorn. "Aber wir halten unsere Ideale noch immer für zeitlos." Für den CV lauten sie: Religion, Freundschaft, Wissenschaft und Vaterland.

Rund 20.000 Studenten engagieren sich nach Schätzung des Convents Deutscher Akademikerverbände im deutschen Verbindungsleben. Die Anzahl der einzelnen "Aktivitas", die teilweise nur bis zu zehn Mitglieder haben, ist kaum zu ermitteln. Es gibt katholische und evangelische Verbindungen, Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften, Turner- und Sängerschaften und mittlerweile auch 20 bis 30 Damenverbindungen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber gehört einer Verbindung ebenso an wie der SPD-Politiker Friedhelm Farthmann oder der Fußballnationalspieler Christoph Metzelder. Jede Korporation hat ihr eigenes Profil, alle jedoch haben zwei gemeinsame Prinzipien: Entscheidungen werden im Konvent, also basisdemokratisch, getroffen und die Mitglieder verpflichten sich zu einem Lebensbund, stehen lebenslang auch nach ihrem Studium füreinander ein. Heutzutage bezeichnen sie das, was häufig als Seilschaft kritisiert wird, gerne als Netzwerk.

"Das studentische Verbindungsleben ist kontinuierlich. Es läuft jahrzehntelang geordnet weiter unabhängig von äußeren Einflüssen", beschreibt Wolfgang von Wiese, Vorstandschef der Neuen Deutschen Burschenschaft, das Phänomen. Die Suche nach Gemeinschaftsgefühl, verbindlichen Ritualen und Traditionen sind die Hauptmotive, die Studenten und Studentinnen auch heutzutage noch zu einer Korporation hinziehen. "Fundament unseres Bundes ist der Wunsch nach lebenslanger Freundschaft und das Bewusstsein unserer Rolle als verantwortliche Mitglieder unserer Gesellschaft", erklärt zum Beispiel Susanna Zwick von der Salia Würzburg. Rund 17 Aktive und 38 "Hohe Damen", also Akademikerinnen im Berufsleben, zählt diese 1994 gegründete Damenverbindung.

Das Leben in der Aktivitas vermittle Teamfähigkeit, Organisationsvermögen, Rhetorik und Kommunikationsfähigkeiten, so die 32-jährige Betriebswirtschaftlerin, die mittlerweile zur "Hohen Dame" aufgestiegen ist. "In unserer Verbindung wird man gefördert und gefordert." Das Tragen von "Farben" in Form von Band, Schärpe und Samtbarett gehört für Zwick ebenso selbstverständlich zum Verbindungsleben wie der so genannte Weincomment - statt Bier bevorzugen die Salierinnen Rebensaft.

"Wir müssen keine Farben tragen", sagt auch Johannes Kaesgen: "Aber für uns gehört diese Tradition dazu und sorgt für ein stimmungsvolles Ambiente." Kaesgen gehört zu den 25 Aktiven der Darmstädter Burschenschaft "Frisia", deren Wurzeln bis ins Jahr 1885 zurückgehen. 27 Verbindungen gibt es allein in der hessischen Universitätsstadt. Die "Frisia" nennt ihre erste Verpflichtung das Studium. Hier lernt man fechten, es besteht aber keine Mensurpflicht.

"Freiheit, Ehre, Vaterland" lautet das Motto der deutschen Burschenschaften, ein Wahlspruch, der nicht selten auf Kritik stößt, vor allem seit Burschenschaften - wenn auch nur wenige, wie etwa die "Danubia" in München - als rechtsextremistische Organisationen ins Visier des Verfassungsschutzes geraten sind. Dabei taucht die Vaterlandsliebe nicht nur bei den Burschenschaften, sondern im gesamten deutschen Verbindungswesen in ganz unterschiedlichen Nuancen auf. Ein bisschen mehr "gesunden Patriotismus wie bei der Fussball-WM" wünscht sich etwa Susanna Zwick. Er sei stolz ein Deutscher zu sein, erklärt Johannes Kaesgen. "Ich vergleiche uns gerne mit einem deutschen Kulturverein", eine Definition, die auch der des Kartellverbands nahe kommt, wo jeder, der aufgenommen wird, "dem deutschen Kulturgut nahe stehen und der deutschen Sprache mächtig sein muss", wie der Verbandsvorsitzende Weiskorn betont.

Spaltung nach Kontroverse

Der Vaterlandsbegriff hat gerade innerhalb des Burschenschaftswesens zu Kontroversen geführt, die 1996 die Abspaltung der Neuen Deutschen Burschenschaft (NDB) von der Deutschen Burschenschaft (DB) und die Gründung eines eigenen Dachverbands zur Folge hatten. Während die Deutsche Burschenschaft sich in Anlehnung an die Urburschenschaft von 1815 an einem "volkstumsbezogenen" Vaterlandsbegriff "unabhängig von staatlichen Grenzen" orientiert, beziehen sich die Mitglieder der NDB seit der Wiedervereinigung auf den deutschen Staat als Vaterland.

"Gerade in einer Zeit, in der nationale Minderheiten wieder verstärkt wahrgenommen werden", findet der Sprecher der Deutschen Burschenschaft, Norbert Weidner, "ist unser volkstumsbezogener Vaterlandsbegriff wieder en vogue." Ziel sei "die friedliche Verbindung aller Teile des deutschen Volkes in einem gemeinsamen Staat oder in anderer Form im Rahmen eines geeinten Europas". Weidner verortet die DB-Burschenschaften tendenziell durchaus im rechten Lager, betont jedoch das Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat. Nach Auffassung der Verbandsführung gebe es keine "schwarzen Schafe", rechtsradikale Vorwürfe hätten sich stets als haltlos erwiesen.

Eine klare Distanzierung von allen Aktivitas, die in eine nationalistische Richtung abdriften, fordert der NDB-Vorsitzende von Wiese, der Burschenschaften als Teil der Gesellschaft betrachtet und wegkommen möchte von dem Stempel "nur konservativ". Nicht alles sei schließlich "typisch deutsch", sagt der Tierarzt, der seiner Verbindung, der Teutonia in Hannover, seit fast 40 Jahren angehört. Patriotismus bedeutet für ihn zwar Stolz auf die deutsche Demokratie mit ihren Grund- und Menschenrechten und auf Traditionen, aber auch Bewusstsein für die Schattenseiten der deutschen Geschichte. Der Vaterlandsbegriff der NDB definiere sich mehr und mehr in Richtung eines europäischen Patriotismus, sagt von Wiese, "denn Deutschland - in den politischen Grenzen der BRD - ist nur ein Vaterland unter vielen."

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©  ZEIT online,  13.4.2007 - 12:10 Uhr

Schmiss und Mensur ade

Athenia, Bremensia oder Concordia Feminarum räumen auf mit Klischees über Burschenschaften. Zuallererst: Akademische Verbindungen sind nicht nur was für Männer.

Als Julia Hedderich zum Studieren nach Kiel kam, kannte sie niemanden. Die Universität war ein anonymer Betonklotz, die Stadt an der Ostsee für sie ein fremdes Häusermeer. Doch Hedderich wusste sich zu helfen. Schon früh interessierte sie sich für Studentenverbindungen, für Burschen- und Mädelschaften. Und so suchte sie auch nicht nur nach Gleichgesinnten im Seminar, sondern wandte sich an eine Studentinnenverbindung. Von der einzigen akademischen Damenverbindung Concordia Feminarum in Kiel war sie gleich begeistert. „Hier bin ich herzlich aufgenommen worden und habe viele unterschiedliche Leute kennen gelernt“, sagt Hedderich.

Dabei stoßen junge Frauen, die sich einer Verbindung anschließen, oft auf Skepsis. „Da heißt es dann, wir seien rechtsextrem und elitär“, erzählt Kristin Oeing von der Mädelschaft Bremensia in Braunschweig. Mit den alten Burschenschaften, die sich durchaus zu bestimmten politischen oder religiösen Richtungen bekennen, haben die allermeisten Damenverbindungen aber so viel gemeinsam wie ein katholisches Mädchenpensionat mit Harry Potters Zauberschule Hogwarts - so gut wie nichts. „Viele alte Verbindungsrituale passen schon deshalb nicht zu uns, weil wir eben nicht wie manche Burschenschaften seit 150 Jahren bestehen“, sagt Hedderich.
 

Die Gründerinnen der Concordia Feminarum dachten sich anno 1986: „Was die Männer da machen, können wir noch besser“ und entstaubten daraufhin die althergebrachten Verbindungstraditionen von Trinkzwang, Kneipe und Zipfel. Stattdessen schrieben sie sich Herzensbildung, Toleranz und Individualität auf die Weinbänder, die gestreiften Schärpen, die man auch von den Herren kennt. Von den alten Traditionen blieben nur das Farbentragen und das Lebensbundprinzip. „Das ist uns sehr wichtig. Wir wollen wirklich ein Leben lang miteinander verbunden bleiben, füreinander einstehen“, sagt Alexandra Kruse, Philistra, also Seniormitglied, der Concordia Feminarum.

Die Farben Rot, Weiß und Blau stehen für das Bundesland Schleswig-Holstein. Tatsächlich kommen aber auch aus den umliegenden Universitätsstädten Flensburg, Hamburg und Lüneburg Studentinnen zur Concordia Feminarum. „Die Frauen suchen bei uns einen Kontrast zur Ellenbogenmentalität an der Universität“, sagt Kruse. Das bestätigt auch Oeing von Bremensia: „Der besondere Gruppenzusammenhalt reizt viele.“ Das Bedürfnis danach ist in den vergangenen Jahren scheinbar stärker geworden.

Die Zahl der Damenverbindungen an deutschen Universitäten ist allein in den letzten fünf Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Dafür gibt es auch noch andere Gründe als die Flucht vor dem universitären Einzelkämpfertum und Orientierungslosigkeit: „Die Vernetzung untereinander wird für ein erfolgreiches Studium und den anschließenden Berufseinstieg immer wichtiger. Männer haben sich deshalb schon immer in Seilschaften organisiert. Nun ziehen die Frauen nach“, meint Anni Hausladen, Networking- und Karriere-Expertin. Dementsprechend pragmatisch ist die ideologische Ausrichtung der Concordia Feminarum: „Wir sind weder politisch noch religiös engagiert. Wir unterstützen auch keine anderen Gruppen, sondern konzentrieren uns ausschließlich auf die Förderung junger Frauen“, sagen Hedderich und Kruse und meinen damit natürlich auch sich selbst.

Ebenso wenig ist die Bremensia politisch oder religiös, aber „uns ist es auch wichtig, soziale Kompetenzen zu entwickeln. Deshalb engagieren wir uns karitativ, beispielsweise für die Kinderkrebshilfe“, sagt Oeing. Die Vielfältigkeit der Studentinnenverbindungen setzt sich auch intern fort: In kaum einer anderen hochschulnahen Gruppe sind so viele Fachbereiche und Altersgruppen vertreten, unter deren Mitgliedern sich ähnlich feste Kontakte aufbauen lassen. „Gute Beziehungen zu älteren, schon im Beruf etablierten Seniorinnen sind sehr wertvoll. Damenverbindungen bieten einen stabilen Rahmen für solche Kontakte“, sagt Anni Hausladen. Auch deshalb legten die Herren den ersten Damenverbindungen Steine in den Weg. Belächelt und manchmal auch angefeindet worden seien sie, erinnert sich Alexandra Kruse an die Gründungsjahre der Concordia Feminarum.
 

Zwar ist die Mitgliedschaft in einer Studierendenverbindung heute auch kein Garant mehr für einen nahtlosen Übergang zwischen Studium und Beruf. „In den Führungsetagen mancher Großunternehmen konnte man ja früher kaum jemanden ohne Mensur finden. Diese Art des kompletten Nachzugs ist heute natürlich nicht mehr möglich“, sagt Hausladen. Trotzdem erleichtern generationen- und fachübergreifende Kontakte die Stellensuche. „Wir helfen uns mit Informationen, geben uns Tipps, und es kommt auch vor, dass eine Philistra einer Absolventin eine Stelle vermittelt“, erklärt Kruse.

Aber es geht nicht nur um Jobs, auch in privaten Angelegenheiten helfen sich die Frauen weiter, wo es geht. Das reicht von der Unterstützung bei Prüfungsvorbereitungen bis zur Suche nach einem neuen Stellplatz für das kranke Pferd eines Mitglieds.

Damit dieses Gemeinschaftsgefühl für neue Damen schnell erfahrbar wird, nimmt eine ältere, sogenannte Laibdame, eine neue Studentin an die Hand. Aus vielen dieser engen Anfangsbeziehungen ergeben sich langfristige Freundschaften, die für einige Frauen familiären Charakter annehmen: „Julia ist zum Beispiel meine Laibenkelin. Ihre Laibdame ist bei mir in die Lehre gegangen“, lacht Kruse.

So ernst die Verbindungsdamen ihre Gemeinschaft nehmen, so fröhlich und lustig geht es meistens zu. Kulturveranstaltungen wie ein Bildhauerkurs im nächsten Sommersemester stehen ebenso auf dem Programm wie wissenschaftliche Vorträge und Partynächte, zu denen Freunde, egal ob weiblich oder männlich, herzlich willkommen sind. „Ganz ohne Männer wäre es irgendwann auch langweilig“, meint Julia Hedderich. Nur das monatlich stattfindende Konvent, auf dem organisatorische und finanzielle Dinge besprochen werden, ist den Mitgliedern vorbehalten. „Da wird dann zum Beispiel das alljährliche Sommerfest geplant“, sagt Julia Hedderich, „eine unserer ganz eigenen Traditionen.“

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Damenverbindungen gibt es schon länger.......

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Spiegel online, Unispiegel, 18.10.2010

Damenverbindungen

"Haben wir dich zur Spießerin erzogen?"

Von Bernd Kramer

Studentenverbindungen galten lange als Männerdomäne, doch inzwischen gefällt auch Frauen die Tradition. Allerdings ecken sie oft doppelt an: Einige Burschenschaftler finden sie zu emanzipiert und linke Kommilitonen zu konservativ.

Der Festabend steht kurz bevor: Eine Studentin stellt Prosecco-Gläser zu Grüppchen auf die Tischreihen. Andere studieren schon mal das Heft mit den althergebrachten Liedern. "Ändert ihr die Texte eigentlich?", fragt eine in die Runde. "Wenn wir bei uns singen, lassen wir zumindest die ganzen Schläger-Strophen raus."

Irgendwo am Rand bügelt eine Studentin ihre gold-grün-blaue Schärpe auf einem Stuhlpolster, weil im ganzen Haus kein Bügelbrett zu finden war. Sonst wohnen nur Männer in dem Kölner Haus, in dessen Vorgarten ein Fahnenmast steht. "Wie machen die das eigentlich mit ihren Hemden?", fragt jemand.

Die Kölner Verbindungsstudenten, die eigentlichen Hausbewohner, haben Festsaal und Brauchtum den Studentinnen überlassen. Sie sind aus allen Ecken Deutschlands zum Damenverbindungstreffen gekommen.

Inzwischen gibt es einige Studentenverbindungen nur für Frauen. Dabei galt die Welt der Studentenkorporationen lange als Männerdomäne mit all dem militärisch anmutenden Brimborium: Uniformen und Fechtübungen, lateinische Trinksprüche und Gelage in vertäfelten Sälen. Das Verbindungsprinzip lautet: lebenslange Treue zur Gemeinschaft und ein günstiges Zimmer in Studientagen. Wer in den Beruf eintritt, bleibt seiner Verbindung als so genannter Alter Herr verpflichtet und unterstützt die nachfolgende Generation.

Damenverbindungen verzichten aufs Fechten

Dass auch Studentinnen dieser Idee nacheifern, ist ein recht neues Phänomen. Von den 46 Damenverbindungen, die es derzeit in deutschen Uni-Städten aktiv sind, entstanden rund 30 erst im Laufe der vergangenen zehn Jahre.

So wie die Akademische Damenverbindung Agrippinia, die dieses Mal das Jahrestreffen organisiert hat. Als die Psychologie-Studentin Friederike Baumann, 29, die Kölner Damenverbindung vor sieben Jahren mitgegründet hat, wollte sie den männlichen Kollegen in nichts nachstehen: Ein Wappen haben sich die Studentinnen gegeben, ein Motto und Erkennungsfarben. Königsblau für den Rhein, Gold für die moralischen Werte im Leben, Grün für das Rheinland. Nur aufs Fechten verzichten die Agrippinen, so wie alle anderen Damenverbindungen auch. "Eine Narbe im Gesicht sähe bei einer Frau auch nicht gut aus", findet Friederike Baumann.

Es muss keine Narbe sein, aber etwas, das bleibt. Gerade wo Jobs, Freundschaften, Beziehungen brüchig werden, gewinnt die Idee einer solchen Verbindlichkeit ihren Reiz: "Das Lebenslange", sagt Friederike Baumann, "das macht es aus." Ihre Bundesschwestern nicken.

Zimmer im Mehrparteienhaus statt in Gründerzeitvilla

Anna Fiechel, 31, trägt stolz die Farben der Akademischen Damenverbindung Victoria zu Hannover, die sie vor vier Jahren mit geschaffen hat. In Gold, Braun und viel Weiß lässt die Verbindungskappe die Sonderpädagogin ein wenig wie eine Matrosin aussehen. Das Lebensbundprinzip? Wenn Anna Fiechel davon spricht, bekommt sie leuchtende Augen. "Ich finde die Vorstellung toll", sagt sie, "dass ich später einmal im Jahr an meinen alten Studienort zurückkomme und junge Studentinnen unterstützen kann."

Für die meisten Studentinnen sind ihre Verbindungen ein Experiment; wenn es klappt, sind sie die erste Generation einer langen Tradition. Bisher gibt es nur wenige Beispiele, bei denen es schon einen festen Kreis so genannter Hoher Damen gibt, die die Aktiven unterstützen.

Die 1985 gegründete Berliner Verbindung Lysistrata ist eines davon. Mit der Hilfe der Bundesschwestern im Beruf haben die Studentinnen nun das, wovon all die anderen Verbindungen noch träumen: eine "Konstante", ein dauerhaftes Domizil - allerdings keine Gründerzeitvilla mit Fahnenmast, sondern eine Wohnung in einem Mehrparteienhaus. Die Versammlungen halten die Studentinnen im Wohnzimmer ab. Der Fernseher kommt dann raus, das Wappen an der Wand bleibt.

Die meisten anderen Damenverbindungen treffen sich dagegen in den Verbindungshäusern der Männer. Ausgerechnet - denn manch männlicher Kommilitone war am Anfang nicht gerade begeistert über die Frauen im Revier. "Ihr überlebt kein Jahr", haben sich Friederike Baumann und ihre Mitstreiterinnen in der Gründungsphase oft anhören müssen. Und manchmal guckt heute noch ein männlicher Verbindungsneuling verdutzt, wenn plötzlich farbentragende Frauen an der Haustür klingeln und nach alter Sitte ein Begrüßungsbier verlangen.

Entsetzte Eltern: "Haben wir dich zu so einer Spießerin erzogen?"

"Man muss sicher etwas entschlossener auftreten, wenn man sich in so eine Männerdomäne stürzt", sagt Friederike Baumann. Und die Hannoveranerin Anna Fiechel findet: "Was wir machen, hat schon etwas Emanzipatives."

Was einigen Verbindungsstudenten vielleicht zu emanzipiert vorkommt, sehen andere dagegen als Rückschritt in verstaubte Zeiten. Ihre Eltern, erzählt Friederike Baumann, seien noch in den Nachwehen der 68er Revolte zur Uni gegangen und hätten am Anfang fast entsetzt auf ihre Idee reagiert: "Haben wir dich wirklich zu so einer Spießerin erzogen?"

Auch dem linken Studentenmilieu ist die weibliche Gründungswelle in der Verbindungswelt suspekt. Die Alternative Liste aus dem Kölner Uni-Parlament spricht auf ihrer Homepage von einer bedauerlichen Entwicklung, die mit Feminismus nichts zu tun habe.

Friederike Baumann berichtet sogar davon, dass linksradikale Studenten einmal abends auf dem Campus auf die farbentragenden Frauen losgegangen seien. Aus Spaß hätten die Studentinnen damals gemeinsam mit männlichen Verbindungskollegen die Aufnahme des Uni-Patrons Albertus Magnus in die Verbindung zelebriert. Sie hängten der Statue des mittelalterlichen Gelehrten eine Schärpe um, stießen mit Kölsch an und sangen. Den Studenten, die vorbeikamen, gefiel das offensichtlich nicht: Zwei hielten jeweils ein Verbindungsmitglied fest, erzählt Friederike Baumann, der Dritte schlug zu. Einige der Studenten erstatteten Anzeige gegen Unbekannt - ohne Ergebnis. "Die hatten richtig Hass auf uns", sagt sie.

Entmutigen lassen wollen sich die Studentinnen bei ihrem Damenverbindungstreffen in Köln nicht. Im Saal stoßen sie mit Prosecco an und singen traditionelle Lieder. Auch wenn die Texte fast nur von Männern handeln: "Oh alte Burschenherrlichkeit, wo bist du hin entschwunden…"

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Studentenleben

Die Damenverbindung Zenobia - Freundschaft auf Tradition getrimmt

Linda Bögelein

Nadine Kante (links) und Désirée Peter   Foto: Linda BögeleinNadine Kante (links) und Désirée Peter

Nadine Kante und Désirée Peter sind Mitglieder der Zenobia, Leipzigs einziger akademischer Damenverbindung. Ihre Zugehörigkeit zeigen sie durch die violett-gold-schwarzen Bänder, die sie auch in der Öffentlichkeit tragen. Für sie eine Selbstverständlichkeit, weniger ein Zeichen von Stolz. Doch nicht jeder hat dafür Verständnis.



„Es ist das äußere Merkmal einer inneren, lebenslangen Zusammengehörigkeit“, erklärt Nadine. Zur Gemeinschaft gehören derzeit zehn Damen. Vier von ihnen studieren noch, die übrigen haben ihr Studium abgeschlossen und Leipzig verlassen. Sie tragen den Titel „Hohe Dame“, das Pendant zu dem „Alten Herren“ der männlichen Studentenverbindungen. Laut der Internetplattform „Tradition mit Zukunft“ gibt es 15 aktive Verbindungen in Leipzig.

Fragt man die zwei Damen, warum sie sich in einer scheinbar antiquierten Einrichtung wie einer Verbindung organisieren, fallen Wörter wie Lebensbund- und Gemeinschaftsprinzip, soziales Engagement und Tradition. Dabei können die Zenoben auf eine Jahrhundertealte Geschichte, wie sie andere Verbindungen vorweisen, gar nicht zurückblicken. Sie wurden erst 2002 gegründet. Und auch die jungen Frauen passen nicht so recht in das klischeehafte Bild des sturz­trinkenden, erz­konservativen, seiten­scheitel­tragenden, fechtenden Burschens. Jurastudentin Désirée hat Dread­locks, wirkt damit eher alternativ und trinkt selten Alkohol. Nadine, Psychologie­studentin, lange blonde Haare und Brille, ist SPD-Mitglied. Weder fechten die Zenoben, noch wohnen sie in einem Verbindungshaus. Dennoch: Sie tragen Bänder, manchmal auch Studentenmützen, nennen ihre Partys Kommerse und Kneipen. Dabei tragen sie Abendgarderobe und haben ein Sekt-Comment. Dieses Regelwerk besagt unter anderem, dass auf gemeinsamen Feten ausschließlich Sekt als alkoholisches Getränk gereicht wird. Mit diesen Regeln und dem gängigen Bild, studentische Verbindungen seien erzkonservativ bis rechtsgerichtet, stoßen sie auf Kritik.

„Der StudentInnenrat hat uns gegenüber ganz klar Vorurteile“, bedauert Désirée. Kasimir Wansig, verantwortliches StuRa-Mitglied des Referats für Antirassismusarbeit, sieht dies differenzierter: „Die Zenoben sind politisch keine Gefahr. Sie sind entspannt und demokratisch“. Trotzdem: Lebensbundprinzip, alte Traditionen, Kneipen, Mützen und Bänder – davon distanziert sich der StuRa. Auf dieser Grundlage komme, so Wansig, auch keine inhaltliche Zusammenarbeit für ihn infrage.

Doch um inhaltlich zu arbeiten, fehle es den Zenoben momentan sowieso an Zeit und Nachwuchs. „Wir sind alle gerade sehr angespannt in unserem Studium – und das hat Vorrang“, erklärt Désirée. Daher beschränken sich auch ihre Strategien, um neue Mitglieder zu werben, auf bedruckte Kugelschreiber, Flyer und Nachrichten an andere Studentinnen in sozialen Netzwerken wie StudiVZ und Facebook. Bislang ohne Erfolg. Vielleicht ist die fehlende Nachfrage aber auch Zeichen dafür, dass Freundschaft in der heutigen Zeit eben keine Verbindungstradition mehr braucht.

Die Autorin Linda Bögelein ist Mitglied der Lehrredaktion „Campus Online“, einem Gemeinschaftsprojekt von LVZ-Online und dem Studiengang Journalistik der Universität Leipzig.

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© FAZ.NET 25. Februar 2011 

Abendkleid statt Säbel

In fast fünfzig Studentenverbindungen in Deutschland sind nur Frauen aktiv. Genauso wie die Männer erleben sie viele Anfeindungen. Nicht nur von außen - auch untereinander gibt es so einige Fehden.

Von Anna Weiland und Ulrich Knapp

Damenverbindungen: Abendkleid statt Säbel

„Eva Braun ist euer Gründungsmitglied, und ihr macht jeden Morgen den Hitlergruß!“ Anfeindungen wie diese müssen sich die Mitglieder der „Akademischen Damenverbindung Salia zu Würzburg“ häufig anhören, wenn sie in Kneipen unterwegs sind. Den Faschismusvorwurf kontern die jungen Frauen dann meist mit der Frage: „Lebst du gern in einer Demokratie? Dann denk dran, wer 1848 maßgeblich für das erste Parlament gesorgt hat: die Verbindungsstudenten.“

Linksradikale Gruppen und der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) machen gezielt Front gegen Damenverbindungen, die aus ihrer Sicht „Ewiggestrigen“. Und als gäbe es nicht genug Schwierigkeiten mit diesen Gegnern, liefern sich die Korporierten, so der Sammelbegriff für die Mitglieder aller Verbindungen, Burschenschaften und Corps, auch noch Scharmützel untereinander. Fehden tragen schlagende Verbindungen beim Fechten aus, katholische meist beim Trinken und weibliche beim Diskutieren. Die zunächst als Abklatsch der Männer belächelten Frauen sind in der zuweilen rauen Verbindungswelt etabliert. Und diese Form der Gleichberechtigung können die Damen durchaus als Erfolg verbuchen.

Seit 2000 gibt es einen Boom

Das haben sie sich nun zum dritten Mal erstritten: Schon zwei Mal verschwanden die Damenverbindungen aus den Unistädten. Erstmals auf Druck der Nationalsozialisten, die sämtliche Verbindungen verboten. Und dann im Zuge der 68er-Revolte. Davon erholten sich die Frauen nur langsam. Seit Beginn der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstehen wieder Verbindungen, und seit dem Jahr 2000 gibt es einen Boom mit 30 Neugründungen.

Die Mitglieder der Damenverbindungen sehen ihren männlichen Kollegen ähnlich, nur ändern sie die zum Teil 200 Jahre alten Traditionen der Verbindungen nach ihrem Gusto. So tragen manche statt des klassischen mehrfarbigen Bandes ein Schleifchen am Dekolleté; statt Bier trinken sie bei ihren Feierstunden Sekt und Wein; auch auf den Vollwichs, die Galauniform der Männer mit Reitstiefeln, Barett samt Federschmuck und Säbel, verzichten sie gerne. Da darf's ein Abendkleid mit einer Rose statt einer Waffe sein.

„Sie sind manchmal ganz nett anzusehen“

Würzburg ist Unistadt seit 1402. Von den 130000 Einwohnern studieren 23000. Das Verbindungsleben pulsiert, 40 Verbindungen tummeln sich am Main, darunter zwei weibliche. Die Gründungsschwestern taten sich 1994 schwer in der Männerdomäne, erzählt ein Mitglied über ihre Hohen Damen, so der Titel derjenigen, die ihr Studium abgeschlossen haben. 15 Jahre später ist die „Salia“ eine der größten Damenverbindung im Land. Rund 60 Mitglieder zählt der reine Frauenbund, davon sind etwa 20 aktiv. Ein Abziehbild der Männer stellen sie nicht dar. Vielmehr verpasst ihnen das Männerlager den Ritterschlag, wenn Michael Schmidt vom ultra-konservativen Dachverband Deutsche Burschenschaft sagt: „Das ernsthafte Bemühen, eine korporative Tradition für Damen zu begründen, wird selbstverständlich akzeptiert.“

So balgen sich die Frauen mit den Männern im täglichen Verbindungsleben auf Augenhöhe. Man besucht sich, trinkt mal ein Bier miteinander und zieht sich gegenseitig auf. „Frauen drückt man natürlich auch einen Spruch rein“, erklärt Sascha Wein vom „Corps Bavaria Würzburg“. „Aber grundsätzlich gilt: leben und leben lassen.“

Eher reserviert und distanziert sieht Timo Sentner von der „Markomannia Würzburg“ das Thema. „Für das Image der Korporationen, die in der Öffentlichkeit häufig als sexistisch oder männerbündlerisch dargestellt werden, sind Damenverbindungen ein korrektives Element.“ Aber mit einem Schmunzeln ergänzt er: „Viele sind auch ganz nett anzuschauen.“ Weiter geht das Interesse dann doch nicht.

Die Hohen Damen helfen auch bei Praktika und Jobsuche

In der uralten Unistadt Heidelberg bewarfen immer wieder Unbekannte die Dächer der prachtvollen Verbindungsvillen am Schlossberg mit Farbbomben. So verunzierten Vermummte zum Beispiel das Haus der Burschenschaft Alemannia. Die linksradikale Antifa, Ortsgruppe Heidelberg, bemüht sich nach Kräften, Burschis zu triezen. Der Antifa-Arbeitskreis der Uni Heidelberg verteilt kostenloses Infomaterial in Form von Schmähschriften mit dem Titel: „Billige Bude? Kein Problem, wenn du männlich, trinkfest und für ein Deutschland in den Grenzen von 1914 bist.“ Tatsächlich locken Korporierte neue Mitglieder mit günstigen Zimmern und haben ein vaterlandstreues Weltbild. Aber das gilt bei weitem nicht für alle Verbindungen.

So sieht es Kathrin Streck, Mitglied der Damenverbindung „Unitas Maria Magdalena“. „Mich regt die Antifa auf, weil sie alle Verbindungen über einen Kamm schert.“ Und auch die Presse mag Streck nicht: „Meistens wird nur über saufende und schlagende Burschis berichtet.“ Fechten und Saufen liegen den Damen fern. Vielmehr zählen Prinzipien wie Tugend, Wissenschaft und Freundschaft; und diese Freundschaft gilt lebenslänglich. Die Mitglieder treffen sich zu Vorträgen, Diskussionsrunden und auch mal zum Grillen.

Kathrin Streck trat der Verbindung bei, weil sie günstig auf dem Unitashaus der männlichen Kollegen wohnen kann. Als sie nach Heidelberg kam, um Dolmetschen und Übersetzen zu studieren, kannte sie niemanden. Mittlerweile greift sie auf ein ganzes Netz von Hohen Damen und Alten Herren zurück, das auch bei Praktika und Jobsuche hilft.

„Wir schlagen uns eher mit dem Asta rum“

In Frankfurt am Main tummelten sich bis 2007 keine Frauen in der Verbindungsszene. Da musste erst Susanna Zwick aus Würzburg kommen, um die „Akademische Damenverbindung Meriana“ zu gründen. „Wenn ich Band getragen habe, dann wurde ich von vielen Studentinnen gefragt, warum es das in Frankfurt nicht gibt“, erzählt die 36-Jährige. Alles kein Problem, denn Unternehmungsberatung für gründungswillige Frauen ist ihr ehrenamtliches Metier. „Den meisten fällt es zu Beginn schwer, sich bezüglich Satzung, Regelungen und Finanzierung zu organisieren und auch eine wirkungsvolle Öffentlichkeit für den neugegründeten Bund zu betreiben“, sagt Zwick, von Beruf Revisorin in einer Großbank.

Zwick gehört zur Gründungsgeneration der „Salia zu Würzburg“. 2004 half sie der einzigen Münchner Damenverbindung „Selenia“ etwas auf die Beine zu stellen. Und dank ihr sind seit 2007 auch zehn Frauen in Frankfurt in einer Verbindung. „Mittlerweile haben wir die Aufbauphase überwunden. Ich bin zuversichtlich, dass wir langsam und stetig wachsen werden“, sagt Zwick zufrieden.

Mit den rund 20 männlichen Korporationen gebe es keine Querelen. Sie kämen auch mit den üblichen Vorurteilen zurecht, sogar mit dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit. „Wir schlagen uns eher mit dem Asta rum“, klagt die Hohe Dame. Denn dieser veröffentlicht mit der „Autonomen Antifa“ auf seiner Homepage ein Pamphlet gegen Verbindungen mit dem Titel „Unpolitisch bis zum Endsieg.“ Die Verfasser schreiben, es gehe ihnen nicht in erster Linie darum, allen Verbindungsangehörigen nachzuweisen, „dass sie 100 Prozent Nazi sind.“ Vielmehr sei es ihnen wichtig, darauf hinzuweisen, „dass Korporierte nicht Nazi sein müssen, um abscheulich zu sein“. Laut Pamphlet übernehmen Damenverbindungen die Ideologie der Burschenschaften und sind nur Schmuck der Männer.

„Es gibt viele Gründe, diese Gruppierungen als problematisch zu sehen“, sagt Jonas Erkel, Vorstand des Asta Frankfurt. „Hierarchische Strukturen und elitäres Denken sind bei Männern und Frauen gleich.“ Nach seiner Ansicht sind Verbindungen und Burschenschaften keine Hochschulorganisationen. So sehen es auch andere: Die Informationskästen, in denen sich die Verbindungen an der Uni präsentieren, wurden demoliert.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z./Tresckow

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Die Welt kompakt Autor: Melanie König; 13.05.2011

"Wir halten unsere Treffen in der WG ab"

Die Selenia ist Münchens erste reine Damenverbindung. An diesem Samstag feiert sie ihr siebtes Gründungsjahr

Derzeit zählt die Selenia 13 Aktive und neun "Hohe Damen". Melanie König im Gespräch mit Conseniora Frauke Heinzer und Fux Vanessa Siskov

Welt Kompakt: Wie entstand die Idee einer Damenverbindung?

Frauke Heinzer: Die drei Gründungsmädel hatten Kontakte zu Männerverbindungen und haben sich dadurch inspirieren lassen. Sie haben sich dann Anregungen bei zwei Würzburger Damenverbindungen geholt und mit deren Unterstützung die Selenia aufgebaut.

Welt Kompakt: Und was unterscheidet die Selenia von anderen Verbindungen?

Heinzer: Es gibt in ganz Deutschland keine schlagende Damenverbindung, aber das halten wir auch für unangebracht. Wir haben zudem keinen Dachverband und natürlich auch keine so lange Tradition wie Männerverbindungen. Was uns aber verbindet, ist - neben dem Lebensbundprinzip -, dass man sich zusammenraufen und organisieren muss, Verpflichtungen sowie Verantwortung übernimmt.

Welt Kompakt: Haben Sie ein Verbindungshaus?

Heinzer: Nein, dafür sind wir noch zu jung. Wir improvisieren und halten unsere Treffen in der WG ab.

Welt Kompakt: Was muss man tun, um Mitglied zu werden?

Vanessa Siskov: Einfach mal beim Stammtisch vorbeischauen, einige Veranstaltungen besuchen. Nach einer sechswöchigen "Probezeit" wird man dann aufgenommen.

Welt Kompakt: Warum sollte eine junge Frau bei Ihnen eintreten?

Heinzer: Was ich persönlich sehr spannend finde, ist, dass man Studentinnen verschiedener Fakultäten und auch verschiedener Altersgruppen kennenlernt. Wir haben Mitglieder zwischen 21 und 41 Jahren.

Siskov: Wir haben auch viele Veranstaltungen wie Konzerte oder Theaterbesuche. Diese müssen aber erst organisiert werden. So lernt man, Verantwortung zu übernehmen. Aber es ist nicht nur Verpflichtung, es macht vor allem viel Spaß.

Welt Kompakt: Die Reaktionen auf Ihre Mitgliedschaft in einer Verbindung dürften recht unterschiedlich sein.

Siskov: Stimmt. Aber gerade die "Alten Herren" finden uns gut und meinen, so etwas hätte es früher schon für ihre Frauen geben sollen.

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